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Impressionen

Liturgie – Light –

„Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

(Lukasevangelium 1,78f; Luther Bibel 2017)

Eine merkwürdige Erscheinung, Licht von oben… wie soll das gehen? Normalerweise erscheint Licht von unten. Der Sonnenaufgang geschieht von ganz unten am Horizont. Bei klarem Wetter zeigt sich zunächst ein orangefarbener Streifen genau da, wo Himmel und Erde sich berühren. Langsam vergrößert er sich und dann kommen helle Strahlen. So ein Aufgang geschieht von unten nach oben!

Nur am 11. August 1999, da war das einmal anders. Da habe ich sie erlebt, wenn auch nur am Rande: Eine Sonnenfinsternis. Es war leicht bedeckt hier in Dortmund. Ausgestattet mit Sofi-Brillen und sehr gespannt harrten wir der Dinge. Es war in der Mittagszeit. Plötzlich dämmerte es mitten am Tag. Die Gänseblümchen auf der Wiese schlossen ihre Kelche. Die Vögel hörten auf zu singen. Eine unerhörte Atmosphäre machte sich breit. Die Umgebung tauchte sachte ein in ein ungewöhnliches fast gespenstisches Licht. Es wirkte unecht, wie der Kontrast zwischen Schatten und Licht immer geringer wurde.

Einerseits war da ein großes Staunen. „Guck mal, die Gänseblümchen da!“ „Hör mal, die seltsame Stille!“

„Meine“ Sonnenfinsternis war die erste in meinem Leben. Möglicherweise die erste und letzte und einzige, die ich – wenn auch nur am Rande – miterlebt habe. Eine Mischung zwischen Staunen und Furcht überkam mich. Unbekanntem gegenüber reagiert das limbische Nervensystem mit Angst. Gut, dass die Großhirnrinde mit Wissen und Reflexion aufwarten kann. Dennoch:

„Lieber Gott, bitte mach, dass es wieder hell wird und normal.“

Welch eine Erlösung, dass die Erde sich doch weiterdreht. Es wurde wieder hell und „normal“. Gott sei Dank.

Seit dieser persönlichen Erfahrung haben sich mir die Verse aus dem Evangelium nach Lukas neu erschlossen. Sie erstrahlen in einem anderen Licht. In einem Licht, dass ich selbst erlebt habe, ein Licht, das nach einer Sonnenfinsternis die Welt wieder erhellt. Ein Licht nach dem ich mich sehne.

Ob diesen Versen eine ähnliche Erfahrung zugrunde liegt?

Auf jeden Fall ist es ein so besonderes Licht, dass es von oben kommt. Sicher erstrahlt Licht von oben, zumindest Sonnenlicht. Doch aufgehen tut es von unten. Deshalb erscheint das göttliche Licht so besonders. Es geht auf aus der Höhe, um in die Finsternis zu strahlen. Um Mr. Spock zu zitieren: Faszinierend.

 

Kerstin Othmer-Haake, 2016

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